Kratom Entzugsleitfaden - by Peelz

Liebe Forenmitglieder,

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Liebe Grüße
das Team von Kratom.Ink
  • In diesem Thread möchte ich euch meine Erfahrungen mit Entzügen, speziell denen von Kratom vermitteln, auf das sie möglichst vielen Menschen helfen mögen diese schwere Zeit zu meistern und sich Schmerzen zu ersparen, die durch Unkenntnis von Mitteln und Wegen der "Entzugs-Entschärfung" entstehen können. Durch meine bescheidenen und leidsamen Erfahrungen von einigen Entzügen von diversen Substanzen habe ich gelernt, einen Entzug immer als schwere, aber auch als lösbare Aufgabe zu sehen.

    Letztenendes bedeutet ein Entzug immer einen temporären Zustand geprägt von Symptomen, Schmerzen und Leistungseinbußen, sowie große physische und psychische Belastung auszuhalten. Das entscheidende Wort dabei ist aushalten, denn jeder Entzug ist zu schaffen, abhängig davon wie viel man aushalten kann, und will.


    Noch ein Wort das hier nicht fehlen darf:
    Ich möchte betonen das die folgenden Erfahrungen nur die meinen und diejenigen meines privaten Umfeldes darstellen. Alle Tipps und Anleitungen sind für mich wirksam und hilfreich gewesen, jedoch sind die Menschen viel zu verschieden um irgendeine Garantie dahingehend geben zu können. Mein Entzugsleitfaden richtet sich an Kratom User, die erhebliche Probleme ohne ihre Medizin bekommen. Es gibt viele Konsumenten, die Kratom nach langen Konsumphasen problemlos innerhalb von wenigen Tagen absetzen können, aber eben auch jenige, die bereits nach 3 Stunden ohne eine Dosis starke Schmerzen haben werden. Niemals sollte man jemanden und seine Abhängigkeit kleinreden, auch wenn für euch der Kratomentzug nur 3 Tage laufende Nase bedeutet. Freut euch, aber geht nicht davon aus das es deswegen bei jedem der Fall ist. Viel zu oft wird verallgemeinert und von sich auf andere geschlossen. Viel, viel zu oft. Meiner Meinung ist diese "Ist halb so wild" - Mentalität genauso destruktiv wie das übertriebene Verteufeln von allem was uns einen Rausch verschaffen kann.



    Inhalt:
    1. - Der Wille und die Psyche
    2. - Vorbereitung und Absetzschemen
    3. - Hilfsmittel
    4. - Symptomatik
    5. - Beispiele
    6. - Das Danach
    /6.1 - Craving und so
    //6.2 - Gelegenheitskonsum?
    7. - Darstellung



    1. - Der Wille und die Psyche
    Das allerwichtigste ist der Wille. Egal wie Hart ein Entzug auch immer sein mag, stimmt der Wille und ist der schlicht aggressive Gedanke "Ich will weg davon, ich will endlich nicht mehr abhängig sein!" immer präsent, habt ihr schon einen großen Schritt geschafft. Das Problem bei den meisten Entzügen ist nämlich, das man eigentlich, tief in sich drinnen, gar nicht entziehen will. Es ist eben immer einfacher, weiter zu konsumieren, egal wie widrig die Umstände bereits geworden sind und welche Nebenwirkungen eures Konsums euch bereits quälen. Es geht zwar "nur" um Kratom, aber im Prinzip kann bei entsprechender Veranlagung jede Substanzabhängigkeit einen Menschen fertig machen, egal ob Kaffee oder Heroin.


    Überlegt euch vorher ob ihr es WIRKLICH wollt, macht euch klar das es verdammt hart werden wird, sich das Gefühl aber lohnen wird, nicht mehr stündlich an eine Substanz, den Konsum und die damit verbundenen Probleme wie die monetären Aspekte, die Beschaffung und den Konsum an sich denken zu müssen. Es raubt dem Körper und dem Geist auf Dauer viel Energie sich immer darum kümmern zu müssen, eine eigentlich nicht essentielle Substanz beschaffen und einverleiben zu müssen. Die Belastung ist groß, auch wenn man mit der Zeit abstumpft und sich an die ewig gleichen Rituale gewöhnt.


    Überlegt euch, sofern ihr auf Kratom medizinisch angewiesen seid (z.B. wegen Depressionen, Angststörungen, Restless-Legs-Syndrom o.ä.), ob ihr nicht doch die Möglichkeit habt diese Probleme anderweitig zu bekämpfen, ohne sie durch ein neues, nämlich eine körperliche Abhängigkeit, zu ersetzen. Vielleicht kann euch ein Facharzt neuartige Medikamente verschreiben, die zumindest keinen physischen Entzug zu Folge haben, deren Absetzen keine gefährlichen Zustände verursachen und die ihr in guter pharmazeutischer Qualität von der Krankenkasse umsonst bekommen könntet.


    Könntet ihr vielleicht noch eine Therapie, noch einen Klinikaufenthalt, noch einen Heilpraktiker oder einen andere Methode ausprobieren, anstatt sich auf eine Abhängigkeit einzulassen? In den ersten Monaten jedes Dauergebrauchs eines Stoffs überwiegen die positiven Effekte enorm, man fühlt sich wie ein neuer Mensch, ist vielleicht enthemmt, euphorisiert, hat mehr Energie und liebt es wieder, zu leben. Das haben Opioide, Alkohol und einige andere Stoffe besonders gemeinsam. Aber nach und nach steigt die Dosis, während der Geldbeutel immer leerer wird. Die Nebenwirkungen nehmen zu, die Entzugserscheinungen kommen immer früher und der Körper quält sich immer mehr. Dieser schleichende Prozess wird einem immer erst dann bewusst, wenn man bereits (wieder) zu tief drinsteckt. Auch bei Konsumenten wie mir, die schon mehrfach entzogen haben, kommt viel zu oft der Gedanke "Ach zwei drei Tage geht das schon". Und innerhalb eines gefühlten Wimpernschlages ist man wieder drin, im Sumpf der Abhängigkeit.


    Wir müssen erstmal definieren was eine Abhängigkeit ist. Eine Abhängigkeit ist ein Zustand in dem wir regelmäßig bestimmte Mengen eines Stoffes zuführen müssen um körperliche Symptome wie Schmerzen zu verhindern. Im Grunde sind wir damit logischerweise auch abhängig von Sauerstoff, Nahrung und Wasser. Sekundäre Abhängigkeiten, wie etwa die vom sozialen Umfeld und Liebe, dessen fehlen uns psychisch erheblich negativ beeinflussen kann, sowie Abhängigkeit von Geld und Ressourcen wie Hobbys und Beschäftigungsmöglichkeiten, sind ebenfalls sehr wichtige Kategorien. Beispielsweise führt extreme und langanhaltende Einsamkeit nicht selten zu schweren Depressionen, die wiederum häufig zu selbstschädigendem Verhalten, Verlust von essentiellen Lebensumständen, oder sogar Suizid führen können. Wir sind also auch immer abhängig von sozialer Interaktion und der regelmäßigen "Dosis" von Liebe, Zuwendung, Aktivität, Sicherheit, Geborgenheit und dem erleben von Neuem, was unser Leben bereichert.


    Dinge wie basteln, Sport, Musik oder andere Hobbys besitzen ebenfalls Abhängigkeitspotenzial. Dinge die wir gerne tun, um Energie für unser Leben zu gewinnen und Kraft für Progressivität in unserer Existenz zu finden, nennt man Ressourcen. Ist z.B Sport für euch super wichtig und würdet ihr euch ohne euer regelmäßiges Training unausgeglichen, mies und depressiv fühlen, seid ihr auf diese Ressource insoweit angewiesen, als das ihr fehlen negative physische und/oder psychische Effekte zur Folge hat - was wiederum eine gewisse Abhängigkeit bedeutet, so gering sie auch sein mag.


    Jeder Mensch hat Ressourcen, einige mehr, andere weniger, aber ohne Ressourcen kann niemand leben. Darin liegt auch die Gefahr der Depression. Depression nimmt einem Menschen die Fähigkeit sich an guten Dingen erfreuen zu können. Essen gehen mit Freunden, malen, Musik hören oder das Kino besuchen sind einfach nur noch anstrengend und erzeugen nur noch das schlechte Gefühl, kein gutes Gefühl mehr bekommen zu können. Ohne positive Erlebnisse bleiben aber nur die negativen übrig, die zu allem übel von der Depression auch noch besonders verstärkt werden. Suizidgedanken sind die Folge. Ohne Glück ist das Leben einfach nicht mehr lebenswert. Wozu leben wenn man nichts mehr positives erlebt? Was liegt da näher als eine Substanz zuzuführen die uns immerhin für kurze Zeit mit dem versorgen was wir eigentlich brauchen, nämlich guten Gefühlen? Die meisten Dinge machen immer dann Probleme, wenn man sie ständig tut.


    Was hat das Ganze jetzt mit dem Kratom Entzug zutun? Du bist jetzt vielleicht an einem Punkt angekommen an dem Du absetzen willst oder musst. Du bist vielleicht verzweifelt und glaubst nicht, das Du es schaffen und aushalten kannst. Du leidest vielleicht unter Depressionen und Ängsten die natürlich beim und nach dem absetzen nicht mehr gedämpft werden und wieder ihre volle und schreckliche Wirkung entfalten. Du denkst vielleicht das es zu spät ist, Du keine Kraft mehr hast und es nie schaffen wirst. Wirst Du je wieder frei sein? Gute Gefühle haben? Stolz und unabhängig sein dürfen?


    Glaub mir, der Versuch ist es wert, denn wenn Du es wirklich willst und Dich gut vorbereitest, werden Deine Bemühungen erfolgreich sein. Wenn Du es nicht versuchst, hast Du schon verloren.


    2. - Vorbereitung und Absetzschemen
    Das zweitwichtigste bei jedem Entzug ist die richtige Vorbereitung. Hilfsmittel und ein passendes Absetzschema sind unglaublich wichtig, und machen nicht selten den Unterschied zwischen Aufgabe und Erfolg aus. Bei Kratom hilft eigentlich alles, was seine Wirkung verstärkt oder die gleichen Rezeptoren anspricht. Achtet unbedingt darauf den Entzug "durchgeplant" zu haben und im Vorfeld genügend Hilfsmittel besorgt zu haben - so habt ihr einen Plan an dem ihr euch orientieren könnt. Ihr wisst was auf euch zukommt und wie ihr reagiert. Könnt ihr z.B. nicht schlafen, so habt ihr euren Beruhigungstee, Baldriantinktur, Lavendeltabletten oder auch Alkohol in der Hinterhand. Seid vorbereitet, lasst euch nicht von den Schwierigkeiten überraschen. Der Entzug ist ein Krieg, die Symptome der Feind. Niemand mag eine Niederlage.


    Zunächst mal kommt es drauf an wie viel Kratom ihr konsumiert, daher solltet ihr, sofern ihr das nicht schon tut, einige Tage genau dokumentieren wie viel ihr und wann einnehmt. Seid ihr eher der Typ der 2-3 mal große Dosen am Tag nehmt, oder verteilt ihr viele kleine Portionen über den Tag hinweg? Kommt ihr besser damit klar die morgendlichen Dosen zu minimieren um für Abends genug zum schlafen zu haben? Seid ihr auf "normalem" Kratom wie Green Malay oder Red Thai, oder überwiegen Extrakte, gepimpte oder Enhanced Sorten?


    Dann gilt es ein Absetzschema auszuwählen das zu euch passt. Ich hab hier mal einige Beispiele zusammengetragen, die verdeutlichen sollen an welchen Schrauben man beim abdosieren drehen kann:


    Kalter Entzug ohne Hilfsmittel
    Würde ich nie empfehlen, ist allerdings die schnellste Methode, schwächt den Körper aber sehr und ist furchtbar anstrengend und schmerzhaft. Man hat sich über Monate hinweg aufdosiert und will nun sofort auf 0? Das ist als würde man eine Diät mit Fasten durchziehen wollen, es schadet eigentlich nur, ist oft nicht durchzuhalten und sogar gefährlich. Man tut sich unnötiges Leid an.


    Kalter Entzug mit Hilfsmitteln
    Ist machbar, abhängig davon wie stark eure Absetzsymptome ausfallen und auf welcher Tagesdosis ihr wart. Natürlich sind Substituenten wie pharmazeutische Opioide/Opiate, Research Chemicals und illegale Downer sehr nützlich, bieten aber im Gegensatz zu meinen unten aufgeführten legalen Hilfsmitteln, mit Ausnahme des Alkohols, die Gefahr die Abhängigkeit zu verlagern statt zu besiegen. Benzodiazepine, Betablocker und was es sonst noch gibt sollten nur im Notfall Verwendung finden, und sind bei richtiger Planung bei einem Kratom Entzug eigentlich nicht notwendig.


    Sorten und/oder Strains wechseln
    Diese Technik wird von vielen Kratomshops, "Kratom-Bibeln" und "Kratom-Ratgebern" favorisiert. Es bedeutet das man täglich seine verwendete Sorte oder den Strain (Green, Red oder White) wechselt, um die Toleranz durch die sich ständig ändernde Alkaloid-Zusammensetzung im Kratom niedriger zu halten, als es beim Konsum nur einer Sorte sein würde. Dabei nimmt man z.B. einen Tag lang nur Borneo Red, am nächsten Tag nur Sumatra White usw.


    In der Theorie super, in der Praxis mist. Es sieht eher aus als ob manche Shops versuchen würden, euch damit zum Kauf vieler Kleinmengen (mit hoher Gewinnspanne) zu bewegen, da ihr für einen entsprechenden Sortenwechsel-Effekt mindestens 5, besser 7 verschiedene Sorten zuhause haben solltet, um jeden Tag der Woche einen anderen nehmen zu können. Leider funktioniert dieses Schema in der Realität nicht, niedrige Toleranzen sind hiermit selten zu erreichen, im Gegenteil, man pusht sich mit allen Alkaloidprofilen gleichzeitig in die Höhe und ist nur noch abhängiger. Ein Bekannter versuchte jeden Tag einen anderen Strain zu nutzen, also Montag Red, Dienstag White, Mittwoch Green usw, wurde aber von allen Sorten gleichermaßen abhängig und musste sich schließlich eine Mischung aus allen 3 Strains machen damit er bei etwa 60g täglich noch nicht entzügig wurde. Einzelne Strains hatten keinen Effekt mehr und 70-80g waren teilweise nötig.


    Schrittweise reduzieren
    Beim schrittweisen reduzieren gehen wir von z.B. 20g am Tag aus und reduzieren jeden Tag um beispielsweise 1g. Da 20g unsere "Wohlfühldosis" war werden wir vermutlich die ersten Tage keinen Entzug erleben, erst bei 13-14g wird die Dosis nicht mehr ausreichen um die Symptome zu überdecken. Wer 15g braucht und sie am Tag auf 5x 3g aufteilt, kann z.B. die 5 Dosen beibehalten, aber jeden Tag jede Dosis um 0,2g reduzieren. Oder man reduziert die morgendlichen Dosen stärker und hebt sich die größeren Portionen für Abends auf. Grundsätzlich ist das eine gute Strategie, nur hinkt sie ebenfalls in der Praxis, denn die wenigsten User konsumieren jeden Tag immer die gleiche Menge. Manchmal sind es 15g, manchmal 25g, manchmal ist man abgelenkt und guter Stimmung, braucht also nicht so viel, und manchmal hat man Schmerzen oder Langeweile und Craving, und wird sich nicht an die Vorgaben halten können.


    Ein Abdosieren in festen Schritten kann hinderlich sein, den wenn ihr weniger braucht als ihr an einem Tag dürftet, verleitet das schnell dazu den Überschuss am nächsten Tag zu nehmen, was das Schema ruiniert. Denkt dran, der Kopf sucht ständig nach Möglichkeiten an Stoff ranzukommen, egal mit welchen Mitteln, oder durch welche Rechtfertigungen auch immer. "Ach heute hab ich 3g weniger gebraucht, dann darf ich die ja morgen zusätzlich nehmen"... "Oh heute waren es 3g mehr als ich durfte, dann muss ich die morgen einsparen".... -So wird das nichts.


    Sprunghaft reduzieren
    Damit kommen schon mehr Leute zurecht. Liegt die Standard-Dosis bei z.B. 25g/d, kann man alle X Tage um Xg reduzieren. Beispiel: 25/25/25/25 - 20/20/20/20 - 15/15/15/15 - 10/10/10/10 ...
    Der Vorteil liegt in der größeren Flexibilität. Sind 4 Tage zu wenig, hängt man noch 1-2 Tage 15g dran bevor man weiter runtergeht, oder man verringert die Schritte und geht anfänglich immer erst nach 5 Tagen um 5g runter, und dann alle 5 Tage 3g etc. Trotzdem hat man eine gewisse feste Menge an die man sich halten muss, was auch unserer Zielstrebigkeit zugute kommt. Wenn man bei z.B. 12g am Tag festhängt und es nicht geschafft hat weiter zu reduzieren, gibt man sich einfach noch mehr Zeit. Solange man die Dosis beibehält hat man nichts verloren, mit jedem Tag wird es leichter werden den nächsten Schritt zu gehen. Natürlich sollte man auch nicht zu lange warten, bis die 12g wieder eine Luxusdosis darstellen, aber das würde sowiso viele Wochen dauern. Wir befinden uns immer im Entzug! Jeder von uns muss ein Pensum an Entzügigkeit und Symptomen bewältigen, es liegt bei uns selbst ob wir lieber eher ins kalte Wasser springen, oder doch besser erst mit dem kleinen Zeh anfangen wollen. Das Wasser ist aber immer gleich kalt und die Temperaturdifferenz müssen wir so oder so überwinden.


    Strains festlegen
    Ein ganz wesentlicher Faktor bei Kratom ist die wechselnde Potenz der Sorten und Strains. Sind wir mit 30g Red Thai am Tag zufrieden, brauchen wir z.B. vom ziemlich unpotenten Borneo White eines anderen Shops 45g um gleichermaßen befriedigt zu sein. Das bedeutet auch das alle Absetzschemas mit wechselnden Sorten die Gefahr des Kontrollverlustes bieten. Wir denken immer in der Menge, nicht aber in der Potenz, da sich diese nicht anhand einer Zahl ablesen lässt. Deshalb funktioniert es selten, mit verschiedenen Sorten immer in gleichen Schritten runterzudosieren. Tendenziell ist es besser sich eine gute Sorte auszusuchen und nur diese für die gesammte Zeit des Entzuges zu nehmen, da wir hierbei immer den selben Effekt erwarten können.


    Die Wahl des Strains ist dabei nicht minder wichtig. Meine private Meinung ist, das man im großen und ganzen ein Green zum Entzug nehmen sollte. Red Veins treiben die Toleranz höher und sind schwerer abzudosieren, White Veins sind zu schwach und taugen wenig gegen Entzugssymptome wie RLS. Natürlich ist das nur meine Erfahrung. Eine weitere Möglichkeit ist, bei einem Entzug über mehrere Wochen seine Bestände aufzubrauchen indem man erst RED > Green > White konsumiert. Man braucht erst all sein Red Vein auf, wechselt dann auf Green und schließlich auf White. Die besonders sedierenden und analgetischen Alkaloide werden dabei schon am Anfang ausgeschlichen und wir haben trotzdem immer eine gute Kontrolle über die Mengen. Erwartungsgemäß kann es sein das man beim Sprung von Green auf White am amfang einen Tick höher dosieren muss, da White Veins in aller Regel weniger potent sind. Ausserdem treten bei White Veins Wirkungen wie Aktivierung und Euphorisierung häufiger auf als bei Red Veins, was keine gute Mischung mit dem NorAdrenalin-überschuss beim Entzug ergibt.


    Tagesdosen konzentrieren
    Beim Entzug wird man schlecht und wenig schlafen, das NorAd lässt bei vielen ein kaltes Ziehen, Gliederschmerzen im ganzen Körper und RLS entstehen. Schlaflose Nächte sind widerlich, man wälzt sich stundenlang im Bett und kann sich "in aller Ruhe" mit den Symptomen auseinandersetzen. Ich habe es daher immer als hilfreich empfunden eine Tagesdosis so aufzuteilen, das ich Tagsüber möglichst wenig einnehme, um dann abends vor dem schlafen noch eine volle Dosis einnehmen zu können. Als Beispiel bei 30g/d auf 20g/d:
    2 / 2,5 / 2,5 / 3 / 3 / 3 / 4 / 4 / 6
    auf:
    1 / 1,5 / 1,5 / 2 / 2 / 2 / 3 / 3 / 4


    Dosis Anzahl
    Manche kommen besser damit zurecht, 2-3 Dosen einzunehmen als viele kleine. Andere brauchen alle 2-3 Stunden eine kleine Menge um wieder fit zu sein. Der Grund dafür liegt in der verschiedenen Metabolisierung der Alkaloide. Während der Erste von 8g wenig spürt, aber lange damit zufrieden ist, merkt der Zweite von seinen 2 g eine deutliche Linderung, braucht diese Dosis aber viel öfter. Zwing euch nicht in Schemen die eurem Konsumverhalten nicht entsprechen! Ein "Viel-Dosierer" kommt mit 3 großen Tagesdosis nicht zurecht, weil ihn jede einzelne total umhauen würde, was wieder die Toleranz in die Höhe treibt. Mir persönlich viel es immer deutlich leichter, viele kleine Dosen über den Tag zu verteilen, um dem Alkaloidspiegel gleichmäßig zu halten und langsam abdosieren zu können. Große Schwankungen des Wirkstoffspiegels sind nicht hilfreich. Wenn ihr es 20 Stunden ohne Stoff ausgehalten habt, ballert euch nicht direkt eine volle Dosis rein.


    Zeit rausschlagen
    Eine Möglichkeit sich anzuspornen ist, sich immer wieder selbst bei dem Versuch zu schlagen, möglichst lange ohne Dosis auszukommen. Liegt deine Einzeldosis bei z.B. 4g alle 4 Stunden, versuche sie in immer größeren Abständen zu nehmen. Erst alle 5 Stunden, dann alle 6 usw, ohne die Dosis zu reduzieren. Je größer die Abstände werden, desto niedriger wird automatisch irgendwann die Tagesdosis ausfallen. Schaffst du mehr als 16 Stunden ohne Kratom, sind die meisten Alkaloide schon abgebaut und du kannst gleichermaßen auch die Dosis reduzieren. Sag dir, "heute hab ich 17 Stunden ohne geschafft, morgen schaff ich 18!".


    Einige hilfreiche Aktivitäten um die Zeiten zwischen den Einnamen zu verlängern, sind zum Bleistift:
    -In die Stadt gehen und einen z.B. schönen Eiskaffee trinken -> 60min
    -Sich raus inne Sonne pflanzen und eine rauchen -> 15min
    -Heißen Tee mit Ingwer und Magnesium trinken -> 15min
    -Eine Serie gucken -> 30min
    -Fett heiß duschen gehen -> 20min
    -Spazieren gehen oder Zuhause etwas trainieren -> 30min
    -500g Magerquark mit Zimt, Erdnüssen oder was auch immer rumfliegt futtern -> 30min
    -Mit dem Fahrrad oder der Karre durch die Gegend fahren, sich was angucken oder jemanden besuchen -> 120min


    Kleine Dosen boosten
    Kratom lässt sich mit dutzenden Möglichkeiten in seiner Wirkung boosten, also verlängern und/oder verstärken. Ist die Toleranz erst im Orbit, ist für einige User die einzige Möglichkeit noch zufriedenstellende Wirkungen zu erreichen, indem sie ihre Dosis mit einem Booster kombinieren. Ausführlich behandle ich das Thema in der Booster-Liste.
    Einige aufgeführte Booster sind absolut zum entziehen geeignet. Der Trick ist, wenn wir normalerweise 4g bräuchten, einfach 2g+Booster zu nehmen, um durch die gesteigerte Wirkung gleichermaßen zufrieden zu sein, aber in summa summarum weniger konsumiert zu haben. Besonders funktioniert das mit Kurkuma, Inwer, Kardamom und SKÖ, siehe dazu die Boosterliste.


    So viel wie nötig, so wenig wie möglich
    Mein Erfolgsrezept, sehr individuell, flexibel und immer an die Umstände angepasst. Das Schema ist simpel: Wir nehmen immer nur dann eine minimale Dosis, die gerade hoch genug ist um den Entzug abzumildern, wenn wir den Zustand nicht mehr aushalten. So maximieren wir die Zeit indem wir uns im unumgänglichen Entzug befinden, minimieren aber die Symptome immer auf ein erträgliches Maß. Nach 6 Stunden ohne Kratom fängt das RLS an und wird nach 2 weiteren Stunden nicht mehr erträglich. Dann nehme ich nur so viel um schlafen zu können oder es wieder aushaltbar zu machen. Wenn ihr den Drang habt eine Dosis zu nehmen, fragt euch folgende 2 Fragen:
    1. "Kann ein Hilfsmittel statt Kratom helfen?"
    2. "Ist es noch aushaltbar?"
    Ist die Antwort auf beide Fragen ein ehrliches Nein, nehmt nur eine Dosis, gerade hoch genug um die Symptome zu dämpfen. Meist reicht auch die Frage "Brauchst du es, oder willst du es?".


    Die Zeitwahl beim absosieren richtet sich danach wie ihr mit einem längeren Entzug umgehen könnt. Seid ihr Berufstätig und müsst im Alltag funktionieren, solltet ihr über längeren Zeitraum, so 4-6 Wochen, sehr langsam abdosieren, um dem Körper Zeit zu geben sich anzupassen, ohne zu stark beeinträchtigt zu sein. Habt ihr nicht die Disziplin, kommt ihr mit kurzen aber heftigen Entzügen besser klar, oder wollt ihr in eurem Urlaub entziehen, rechnet für den Entzug etwa 1-2 Wochen ein. Eine Woche für die stärksten körperlichen Symptome, und eine Woche um wieder halbwegs zu Kräften zu kommen. Nehmt euch frei und besorgt genügend Dinge die euch helfen können. Es ist besser alles auf Vorrat zu haben, damit ihr nicht entzügig noch einkaufen gehen müsst, oder euch Dinge, die euch dann wirklich besser helfen als gedacht, mitten im Leiden ausgehen.



    3. - Hilfsmittel


    Schwarzkümmelöl
    SKÖ ist mit Abstand mein Favorit, es hilft wirklich enorm wenn es richtig angewendet wird. Wollt ihr von eurer Dosis innerhalb von z.B. 4 Wochen auf Null, fangt 2 Wochen vor dem Entzug an das SKÖ einzuschleichen. Kauft euch mindestens 500ml, besser mehr, und nehmt 2 Wochen lang jeden Tag 4-5 Teelöffel oder 2-3 Esslöffel über den Tag verteilt. Die morgendliche Dosis SKÖ am besten nach oder zusammen mit dem Frühstück, denn auf nüchternen Magen wird einem sonst eventuell schlecht. Gutes SKÖ erkennt ihr daran das es nur sehr wenig im Hals kratzt. Kauft nicht bei Apotheken, deren SKÖ ist nur 3x so teuer wie das von Online-Kräuter-Shops oder Amazon, wirkt aber auch nicht besser.


    Während dem eindosieren werdet ihr vermutlich feststellen das eure normale Dosis deutlich stärker wirkt, vorallem wenn man sie 30-60 Minuten nach dem SKÖ einnimmt. SKÖ ist ein wunderbarer Booster und vermag viele Nebenwirkungen des Dauerkratomgebrauchs zu lindern. Bei mir reduzierte sich durch den Boost-Effekt schon beim einschleichen die benötigte Tagesdosis, da SKÖ die Toleranz senkt und eine normale Kratomdosis schon wie eine Überdosis wirken lassen kann. Beginnt der Entzug, nehmt jeden Tag 3 Esslöffel oder auch mehr. Man kann nahezu alle Symptome damit deutlich dämpfen und sogar die ein oder andere Einzeldosis Kratom ersetzen.


    Ibuprofen
    Gliederschmerzen und Rückenschmerzen sind ganz typisch beim abkicken, und Ibuprofen hilft als multipler COX-Hemmer oft ganz gut dabei. Zudem verstärkt es auch die Wirkung kleinerer Kratom Dosen, verändert sie aber auch. Die Kombination ist nicht jedermanns Sache und kann auch unangenehm werden, daher tastet euch vorsichtig dran wenn ihr Schmerzmittel mit Kratom kombiniert, oder nehmt sie lieber nur solo.


    Alkohol
    Alkohol ist ein echtes zweischneidiges Schwert. Mir hat an den schlimmsten Tagen eine Flasche Doppelkorn am Abend gut geholfen, einfach nur um endlich schlafen zu können. Es kann aber definitiv auch das RLS auslösen und verstärken, sowie den Entzug verlängern. Letztenendes bedeutet eine weitere Substanz immer auch eine weitere Belastung für den Organismus, aber für mich war es eine Möglichkeit mich temporär in einen "Egal"-Zustand zu versetzen. Vorteil ist definitiv das man sich weniger Gedanken um die ganzen Symptome macht und lieber pennt oder vor dem Fernseher lungert. Entscheidet selbst ob Alkohol für euch eine Option ist, aber passt bitte auf nicht nach dem Entzug weiter zu trinken, nur um das Craving zu dämpfen, Alkoholentzüge können ganz andere Ausmaße annehmen, dafür will ich lieber keinen Leitfaden schreiben müssen.


    Ingwer
    Frischer Ingwertee ist ein verdammt guter Booster und damit auch ein gutes Hilfsmittel beim Entzug. Es lindert vorallem das kalte metallische Ziehen im Körper, das ständige frieren und die Gliederschmerzen. Außerdem hilft es dem Körper bei der Regeneration. Macht euch morgens eine Kanne Tee mit einem daumengroßen Stück geschälter und in Scheibchen geschnittener Ingwerwurzel, und trinkt diesen über den Tag hinweg. Die Ingwerstücke kann man auch essen, sie helfen hervorragend gegen Übelkeit. Gut in Kombination mit Ingwer passt auch Kamillentee, Fenchel-Anis-Kümmeltee, Hagebuttentee, sowie Zimt und Zitrone für den Geschmack. Bauchkrämpfe, Übelkeit, Verdauungsprobleme und Magenschmerzen sind keine Seltenheit beim Entzug und die genannten Teesorten, vor allem aber Kamille mit Ingwer, helfen immer gut.


    Nikotin
    Rauchen dämpft kurzzeitig das RLS, da Dopamin im Körper freigesetzt wird, stellt aber wieder eine weitere Belastung für den Körper dar. Ich fand es aber immer ganz angenehm, von den quälend langen Stunden in denen man sich im Bett wälzt, schwitzt und friert, sich windet und leidet, für 10 Minuten loszukommen und mal draußen etwas zu rauchen.


    Magerquark
    Einer der besten Booster und Hilfsmittel beim Entzug. Enthält viel Casein aus denen Opioidpeptide, sogenannte Casomorphine entstehen, die die Kratomwirkung verstärken und verlängern. Da die Morphine wunderbar gegen das gefürchtete Restless-Legs-Syndrom helfen, mehrere Stunden wirken und viele Entzugssymptome lindern, kann man beim Entzug oder zum boosten ruhig 500-1000g Magerquark über den Tag futtern. Viel Protein ist immer gut bei Belastungen jeglicher Art. Quark hilft allerdings nicht bei jedem, da es stark von unserer Darmflora und deren Fähigkeit abhängt, die Morphine bilden zu können. Auf jeden Fall macht er lange satt und müde, und hält den Blutzuckerspiegel niedrig was immer hilfreich ist. Achtete bei viel Protein aber auch immer auf reichlich Wasserzufuhr!!!!


    Magnesium
    Magnesium setzt wie SKÖ die Opioidtoleranz herab, aber nicht so stark. Sehr effektiv sind Magnesium-Brausetabletten mit etwa 300mg, einfach gleichzeitig mit dem Kratom getrunken oder über den Tag verteilt. Effektiv sind hohe Dosen Magnesium auch gegen Krämpfe beim Entzug, nehmt aber bitte nicht mehr als 400mg am Tag.


    Nahrungsergänzungmittel
    Entzug bedeutet viel Stress für Laib und Seele und daher brauchen wir mehr essentielle Stoffe als sonst. Überdosieren kann man Vitamine praktisch nicht, daher sind Vitaminpräparate wie Doppelherz A-Z Depot sehr gut geeignet. Zusätzlich sind 25mg Zink (als Brausetablette aus der Apotheke) super für die Regeneration. Nehmt 1x A-Z morgens und das Zink abends kurz vor dem schlafen.


    Nerv-und Schlaftees / Beruhigungstees / Baldriantinktur
    Diese Präparate sedieren leicht, wobei man im Entzug so aufgedreht ist das man sehr hoch dosieren muss. 20ml 40%ige Baldriantinktur und 4 Nerv- und Schlaftees am Abend sollten aber reichen um schlafen zu können. Tee ist sowiso immer gut, das wärmt von innen, denn das ständige frieren selbst wenn die Heizung den Raum auf 28°C hochgeballert hat und man sich unter 3 Decken versteckt, ist echt grausam.


    Duschen / Baden / Heizung / Wärmeflaschen / Dicke Decken
    Heiss Duschen oder Baden verschafft wirklich Erleichterung, also zögert nicht auch gerne öfter am Tag unter die Brause zu hüpfen. Man ist eh ständig verschwitzt, friert und zittert, und wenn man angenehme Dinge hintereinander tut, bleibt weniger Zeit übrig in der man leidet. Wer kann, geht mit etwas Lavendelöl baden oder ins Freibad in die Sonne. Ablenkung, Entspannung und Wärme, das sind die Essenzen die einem Kraft verleihen. Macht es euch zuhause schön gemütlich. Ich fand es immer leichter im Frühling oder Sommer zu entziehen, sich in die Sonne legen zu können und die warme Brise zu fühlen, als im Winter zuhause eingesperrt zu sein. Auf Entzug einen Spaziergang bei Minusgraden zu machen hat wohl keiner Bock.


    Ablenkung
    Ablenkung ist außerordentlich wichtig, wenn man sich zu sehr in die Symptomatik reinsteigert und auf die Probleme fixiert, verliert man schnell den Mut. Das kennt wohl jeder. Schaut Serien, Dokus, Filme, hört Hörbücher, laute Musik, arbeitet im Garten, geht spazieren, mit Freunden ins Kino oder was essen. Solange ihr proaktiv sein könnt, tut es! Gerade weil man sich durch die schwere Symptomatik kalter Entzüge die Möglichkeit nimmt, sich mit Aktivitäten ablenken zu können, würde ich nie wieder kalt entziehen. 8 Stunden mit Leuten unterwegs zu sein lässt die Zeit im Fluge vergehen und man braucht gar kein Kratom, dagegen sind 8 Stunden zuhause alleine mit dem Entzug eingepfercht schwer durchzuhalten.


    Das sind so die wichtigsten Hilfsmittel für mich gewesen, viele weitere Dinge die helfen können findet ihr ausführlich beschrieben in den Threads:
    >>Kratom Entzug - Liste aller Hilfsmittel, Tipps und Strategien<<
    >>Kratom Booster Liste<<


    Sowie in den Diskussions-Threads:
    >>Kratom-Entzugs-Sammelthread<<
    >>Der "Ich mach grad Pause" Motivations Thread<<


    Achtet des weiteren unbedingt auf genügend Flüssigkeitszufuhr, Diarrhö und Schwitzen beim Entzug bieten Gefahr für starke Dehydration und gefährliches Ungleichgewicht des Elektrolythaushalts!



    Folgende Dinge sollte man in jedem Fall weglassen bzw. vermeiden:


    Koffein
    Koffein fand ich immer sehr kontraproduktiv. Ich hatte das Gefühl mein Körper wolle beim Entzug seine Ruhe und möglichst wenig Stimulanzen. Man kann eh nicht schlafen und ist hibbelig und überdreht. Koffein bietet keinerlei positives Potenzial und macht nur wirr im Kopf.


    Zucker
    Zucker ist das schlimmste. Beim Entzug ernährt man sich am besten so gesund und proteinreich wie möglich. Eier, Fisch, Käse, Gemüse, Fleisch, Pilze und Milchprodukte sind super, alles was Zucker enthält verschlimmert den Entzug gefühlt um das 10-Fache. Lasst alles Zuckerhaltige inklusive Säfte und Obst weg und reduziert die Kohlenhydrate aus Brot, Nudeln usw. auf ein minimum.


    Vitamin C
    Konterintuitiv aber wahr, Vitamin C (Ascorbinsäure) ist keine gute Idee beim Entzug, auch wenn es normalerweise noch so gesund ist. Beim Entzug schießt der NorAdrenalinspiegel durch die Decke und verursacht einen Großteil der Entzugssymptomatik. Noradrenalin wird im Körper mithilfe von Ascorbinsäure aus Dopamin gebildet. Der Dopaminspiegel sinkt und es entsteht als sekundäres Entzugssymptom RLS. Weniger Ascorbinsäurezufuhr aus Saft, Früchten oder Nahrungsergänzungsmitteln bedeutet weniger NorAd Synthese, und damit einen leichteren Entzug und mehr Dopamin, also weniger RLS als Symptom. Beim Entzug ist Vitamin C also eher ungünstig und verstärkt erfahrungsgemäß die Schmerzen.


    Grapefruitsaft
    Obwohl Grapefruitsaft einen hervorragenden Langzeit-Booster abgibt solltet ihr ihn wegen dem hohen Vitamin C und Zuckergehalt meiden. Davon ausgenommen sind Grapefruit(kern)-Extrakte.


    4. - Symptomatik
    Das drittwichtigste ist wissen was während dem Entzug passiert und warum etwas zwickt. Vieles ist leichter auszuhalten wenn man weiß warum etwas ist, wie es ist. Lernt zu verstehen und zu akzeptieren was in eurem Körper vorgeht. Früher nannte man einen Entzug "Entgiften" und man versuchte, "den Körper von dem Rauschgift zu befreien". Noch heute glauben erstaunlich viele Leute das während des Entzuges der Körper versucht das Gift, also welche Substanz auch immer konsumiert wurde, loszuwerden. Eigentlich kämpft der Körper aber mit sich selbst und seiner Gewöhnung. Rezeptoren haben sich an die regelmäßig zugeführte Substanz angepasst und müssen es nun wieder umlernen. Opioide verringern die Adrenalinmenge im Gehirn, der Körper versucht daraufhin mehr zu produzieren um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Beim Entzug fehlt das Opioid und das Adrenalin bzw. NorAdrenalin liegt im Überschuss vor, bis sich die Synthese wieder vermindert. Daneben ist die Empfindlichkeit der Opioidrezeptoren stark gehemmt und auch auf Dauer beeinträchtigt. Irgendwie hab ich manchmal das Gefühl das man viel von dem Elend das man durch den Konsum zu kompensieren vermochte, beim entziehen letztendlich doch durchmachen muss.


    Der Körper rebelliert. Die schwere der Symptomatik ist zwar fließend, lässt sich aber dennoch grob abgrenzen. Die Symptome können unterschiedlich stark ausfallen, sich abwechseln, ineinander übergehen, in Wellen kommen, oder nur am Anfang oder Ende des Tages oder hauptsächlich Nachts (z.B. RLS) auftreten. Es werden nicht alle Symptome bei euch eintreten, die Kombinationen sind bei jedem anders, abgesehen vom Frieren und gleichzeitigem Schwitzen, den Gelenkschmerzen, dem RLS und einigen anderen, die typisch sind. Symptome eines niedrigeren Stadiums kommen in höheren potenziert vor. Durchfall ist gegen Ende des Entzuges häufiger. Die Symptome sind nicht nach Schweregrad geordnet.


    Bei Kratom kann man 3 Stadien unterscheiden:


    Stadium 1 - Einige Stunden nach der letzten Dosis:
    Mydriasis, Gähnen, Niesen, Naselaufen, Tränenfluss, Unruhe, Konzentrationschwierigkeiten, Lust/Verlangen zu konsumieren (Craving)


    Stadium 2 - Bei erreichen von 30-40% der Normaldosis und/oder ab 12-16 Stunden nach der letzten Dosis:
    Frieren und Schwitzen, versteifte Muskeln, Bewegungsdrang, Übelkeit, Ohrensausen, Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, Muskel- und Knochenschmerzen, Gänsehaut, Zittern, Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, beschleunigter Herzschlag und beschleunigte Atmung, Ängstlichkeit, Panikattacken


    Stadium 3: Bei kalten Entzügen, starker Dosisreduktion, oder 24 Stunden nach der letzten Dosis möglich:
    Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit, schmerzhafte Muskelkrämpfe, exzessives Schwitzen, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, nicht mehr in der Lage aufzustehen


    Solltet ihr euch nicht mehr in der Lage fühlen den Zustand auszuhalten, zögert bitte nicht zumindest Verwandte und Freunde um Hilfe zu bitten, oder im größten Notfall auch einen Arzt aufzusuchen.


    Noch ein Wort zum RLS:
    RLS, was ist das? Beim Entzug ist RLS (Restless-Legs-Syndrome bzw. "Rastlose Beine") durch einen nicht aushaltbaren Drang nach Bewegung der Beine zu beschreiben. Durch den Biorhythmus bedingt zeigt sich das besonders im Zeitraum von 2200-0500, also genau dann wenn man schlafen will. Das bedeutet man liegt im Bett aber die Beine zappeln und bewegen sich unablässig, und hindern einen damit zuverlässig am einschlafen. Das Zappeln unterdrücken hilft nicht, meist äußert sich das dann in diffusen Schmerzen. RLS tritt bei Opioidentzügen sehr häufig auf und lässt sich eigentlich nur durch die Gabe des Opioids vollständig verhindern, von welchem wir ja entziehen wollen. Natürlich können wir auch mit anderen Opioiden substituieren, aber werden wir damit bei Kratom meist nicht erfolgreich entziehen können, da man ja normalerweise immer ein stärkeres Opioid mit einem leichteren ersetzt. Trotzdem gibt es Konsumenten die auch das schon getan und geschafft haben. Ich würde es im großen und Ganzen aber nicht empfehlen, ausnahmen sind Codein oder Tilidin in geringen Mengen.


    Hab ihr nur beim Entzug RLS, wird es danach auch wieder langsam abklingen und wieder verschwinden. Einige Kratomuser, mich eingeschlossen, nutzen Kratom primär als Medikament gegen ihr chronisches RLS, welches sich auch tagsüber und unter dauerhaften Schmerzen äußert. Das fiese dabei ist, das wir beim Entzug extrem potenziertes RLS haben werden, und das RLS nach dem Entzug weiterhin auftritt. Seid ihr davon betroffen, überlegt euch gut ob ein Entzug infrage kommt, denn Kratom hat bei weitem weniger Nebenwirkungen, Langzeitschäden, Konsumprobleme und Abhängigkeitspotenzial (so ungern ich dieses Wort auch benutze), als Pharmazeutika wie LevoDopamin und Opiate. Wer erstmal auf 600-800mg L-Dopa eingestellt ist kann nicht mehr kalt entziehen, er würde sterben, was wie ich stark annehme, bei Kratom nahezu unmöglich ist. Mir ist in der langen Zeit noch kein Fall untergekommen, bei dem nachweislich Kratom zum Tode geführt hat, weder durch Entzug noch durch Überdosieren. Ausnahmen sind mit synthetischen Opioiden gestreckte Extrakte, die mit Kratom eigentlich nichts mehr zutun haben, die aber für besonders schlechte Presse des Wortes in Amerika und in unserem Ärzteblatt gesorgt haben. Behörden differenzieren hierbei ungern, aber mehr dazu unter "Darstellung".



    5. - Beispiel
    Um endlich zu einem konkreten Fall zu kommen, hab ich hier mal die Abstufungen von 2 meiner bisher 4 Kratomentzügen gesammelt. Beim ersten Entzug hab ich alles falsch gemacht, ich hatte nahezu keine Hilfsmittel, hab entzogen weil ich es wegen einem nahendem Urlaub musste (aber nicht wollte), und habe mich absolut nicht vorbereitet. Das 2te mal war über 8 Wochen in denen ich von 18g auf 0 runterdosiert hatte, was bei dem langen Zeitraum logischerweise sehr langsam ging. Für mich war das schon wieder zu langsam, denn Erfolge lassen auf sich warten und man will es auch irgendwann einmal geschafft haben.


    Tagesdosen bei Entzug #3 (4 Woche und 2 Tage):
    8 / 12,7 / 10,4 / 11,5 / 11,5 / 10,4 / 8,5
    7,8 / 10,6 / 8,8 / 10,5 / 10 / 9 / 9,6
    6 / 8,5 / 9,25 / 6,4 / 5,8 / 5,5 / 5
    5 / 4,4 / 3,5 / 3 / 2,5 / 1 / 2
    1 / 0,5


    Man sieht eine klare Tendenz das die Dosen weniger werden, aber es gibt immer wieder Tage an denen es mehr war. Das liegt daran das diese Tage zusätzlichen Stress boten, die Symptome durch fehlende Aktivitäten und Ablenkung stärker waren als sonst, und vor allem weil das Material immer ein anderes war. Ich hatte noch 6 verschiedene Sorten, alles mögliche, Stem&Vein, furchtbar mieses White, und super potentes Red. Klar das man von 5g starkem Red genauso viel Symptomlinderung erwarten kann wie von 10g grottigem White. Da die Liste nur die Tagesdosen und nicht die Verteilung angibt, muss ich sagen das die Anzahl der Einzeldosen ebenfalls stark schwankte. An einem Tag mit 3g hab ich lieber 0,5/1/1/1,5 dosiert als 3x1g. Wie gesagt, eine höhere Dosis abends half mir sehr, während die morgendliche Dosis so gering wie möglich gewählt wurde. Entzug #3 fand ich überaus mild, da die gesamte Zeit über SKÖ genommen wurde und die Ausgangsdosis von etwa 15g schon "niedrig" war.


    Tagesdosen bei Entzug #4 (schon wieder 4 Wochen und 2 Tage):
    31,75 / 27,1 / 26 / 25 / 24 / 23 / 30,9
    20 / 20 / 24,7 / 24,8 / 34 / 25,7 / 21,5
    14,4 / 18,6 / 15,6 / 13,4 / 19,6 / 15,9 / 15,5
    12,5 / 16,1 / 11,35 / 18,6 / 12,2 / 6,8 / 6,3
    3 / 0


    Insgesamt hab ich folgende Hilfsmittel benutzt:
    -ca. 20 Beutel Beruhigungstee
    -ca. 60ml Baldrian Extrakt
    -2 Flaschen Korn
    -2 Flaschen Rum
    -6-Pack Bier
    -250ml Schwarzkümmelöl
    -Magnesium Instant Sachets


    Es war nicht der stärkste aber trotzdem ein heftiger Entzug. Die Ausgangsdosis bewegte sich so zwischen 28-35g am Tag, also schon ein gutes Stück mehr als bei #3. Leider kam dazu das ich zu wenig SKÖ hatte, 250ml sind einfach nicht genug für 4 Wochen inklusive einschleichen, weshalb es mir in der letzten Woche ausging, gerade wo ich es am dringendsten gebraucht hätte. Ich nutze daher (eigentlich viel zu viel) Alkohol um mich abzuschiessen, so das ich vom Entzug möglichst wenig mitbekam. Die Symptome fingen etwa bei der 13,4g-Marke richtig an und wurden erst am zweiten Tag nach dem erreichen von 0 besser. Auffällig sind hier die besonders großen Schwankungen zwischen den Tagesdosen und das schnelle Gefälle von 12 auf 0g, was nur deswegen der Fall war, weil ich mein Kratom bis aufs letzte Gramm aufgebraucht hatte. Das zwingt einen natürlich dann die 0g auch durchzuhalten, denn selbst wenn man nachbestellt liefern die meisten Shops erst in 2-4 Tagen, wonach man sich ja schon an die 0 gewöhnt hat.


    Es ist meist von Vorteil, noch so eine Art Sicherheitsreserve in der Hinterhand zu behalten. Die Menge ist unerheblich, manchen reicht es zu wissen das sie 2g für den Notfall haben, andere brauchen 100-150g damit sie immernoch die Möglichkeit haben innerhalb von einer Woche nachzubestellen. Bei Dauerkonsumenten stellt sich dieses verhalten sowiso von alleine ein, und auch beim Entzug ist es nützlich einige kleine Notfalldosen zu bunkern, die dann aber auch nur genommen werden dürfen wenn gar nichts anderes mehr hilft. Anfänglich ist das RLS und die anderen Dinge zwar wesentlich schwächer als im weiteren Verlaufe des Entzuges, werden aber viel stärker wahrgenommen. Ich denke es ist einfach sehr unangenehm "neu". Es klingt doof aber man gewöhnt sich nach 4-5 Tagen auch an die Entzügigkeit. In Phasen wo ich Luxusdosen hatte waren 5 Minuten leichtes RLS fast noch schlimmer als 15 Minuten starkes RLS mitten beim Absetzen.


    In den Konsumphasen hab ich desöfteren verschiedene Strategien zum Abdosieren und Toleranzsenken getestet. Das größte Hindernis ist die Morgendosis. Da die erste Dosis am Tag immer am stärksten wirkt und man damit als Dauerkonsument sich meist immer nur im Nachlege-Modus befindet, ist es hilfreich so lange wie möglich auf die erste Einzeldosis zu verzichten. Gelegenheitskonsumenten wissen das am besten, 1 große gut gewählte Dosis wirkt vieeel besser als mehrere kleine, wo sich das Anfluten, der Peak und das Abklingen immer vermischen. Was den Strainwechsel angeht, so hat das wirklich erst dann einen eindeutig positiven Effekt auf die Toleranz, wenn man länger als 2 Wochen streng bei einer Farbe bleibt. Nach 2 Wochen White wirkt eine Dosis Red auch wieder deutlich besser. Daher ist die Technik für die meisten Entzüge nutzlos.



    6. - Das Danach
    Der Entzug ist durch, ihr seid endlich wieder frei! Zunächst mal ist es überaus wichtig euch selbst dies nochmal klarzumachen: Du hast es geschafft. Du hast etwas geschafft das andere nicht schaffen würden, oder von dem Du selbst nicht dachtest es wäre erreichbar!


    Verschwende keinen Gedanken daran von wie viel mehr Gramm am Tag andere entzogen haben oder in wie viel kürzerer Zeit, ein Entzug ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Dein Erfolg ist Dein Erfolg und nicht mit dem eines anderen zu vergleichen!


    Interessant ist die erste Zeit von ca. 4 Wochen nach erfolgreichem abkicken, indem man das Gefühl hat, etwas schlimmes -überstanden- zu haben. Unannehmlichkeiten, Stress, und besonders das Gejammer anderer über ihre belanglosen Lebensprobleme und Lappalien wirken geradezu lächerlich, verglichen mit dem was du vor kurzem durchgemacht hast. In gewisser weise kann man sagen das man danach vielen Schwierigkeiten mit erheblich mehr Selbstvertrauen begegnet. Man weiß was man aushält, wie stark man eigentlich ist und wie klein viele scheinbar großen Probleme doch sind, wenn man sie erstmal mit dem Horror einiger Entzüge vergleicht.



    6.1 - Craving und so
    Opioide unterdrücken auch Unsicherheit, Depressionen und Angststörungen wie Panikattacken, soziale Phobie usw. Beim und nach dem Entzug werden diese Probleme wieder häufiger und stärker vorkommen. Leider sind diese Dinge als Langzeitentzugs-Symptome anzusehen, denn sie verschwinden erst nach Monaten oder gar nicht sofern man Kratom überhaupt erst gegen sie eingesetzt hat. Craving, das extreme Verlangen nach der Substanz, wird erfahrungsmäßig 4 Wochen nach einem Entzug immer stärker, je schwächer die Erinnerungen an den durchlittenen Entzug werden. Immer häufiger sind es Momente an denen man sich die Wirkung zurückwünscht, mit all ihren Vorteilen, ohne an die negativen Aspekte zu denken. Es wird schwieriger und schwieriger sich nicht gehen zu lassen und wieder nachzubestellen, quälen einen doch die nun vorherrschenden sekundären Symptome, etwa die Sehnsucht nach Entspannung, der Opioid-Wärme, dem beruhigenden Gefühl von Geborgenheit, sowie die Leistungsfähigkeit und Konzentration, die man hatte.


    Typisch sind in den ersten 2-6 Monaten nach dem Entzug:
    -Schlechte Konzentration
    -Schlaflosigkeit und Unruhe
    -Rastlosigkeit, unfähig sich zu entspannen
    -Unbehaglichkeit und erhöhte Schmerzempfindlichkeit
    -Panikattacken, Ängstlichkeit, sich oft Sorgen machen
    -Unsicherheit, Depression, Stimmungstiefs


    Es braucht eine ganze Weile bis diese Symptome verschwinden, und nicht selten führen sie dazu wieder mit der Substanz anzufangen. Für viele ist sogar der "psychische Entzug" schlimmer als der körperliche. Für mich ist das nicht der Fall, hat die konsumfreie Zeit doch auch ihr gutes: Man weiß, man ist nicht mehr ständig an das grüne, widerlich bittere Pulver und seinen Konsum gebunden, man muss nicht ständig dafür sorgen das genug da ist, man muss sich nicht dauernd verstecken, es nicht immer dabei haben und sich mit den ätzenden Nebenwirkungen wie Lethargie oder Obstipation herumschlagen.


    Nach etwa 4 Wochen übernehmen auch die Gefühle wieder ihre Rolle, da sie nicht mehr allesamt durch Opioide unterdrückt werden. Tatendrang, Freude, Lust und Unternehmungsgeist kommen besonders hervor, da man beim Dauerkonsum eher zu Zurückgezogenheit neigt und lieber vor sich hin genodded hat als seinen Hobbys nachzugehen. Eine der besten Methoden um die Re-Entwicklung seiner Gefühle zu fördern ist, sich wieder mit dem auseinanderzusetzen was einem früher immer Spaß gemacht hat. Wichtig hierbei, seid nicht enttäuscht und gebt nicht auf wenn euch euer Hobby die ersten paar male keine Freude bereitet, versucht es weiter! Das Gehirn muss erst wieder "reinkommen" um sich an der Aktivität zu erfreuen. Mir hilft Natur, wandern, basteln, Sport und sowas sehr gut. Auch steigt der Testosteronspiegel wieder und wer dies nutzen möchte kann sich wieder besonders an sexuellen "Aktivitäten" erfreuen, oder Muskelaufbau betreiben. Daneben ist ein höherer Katecholaminspiegel gut für eine Diät.



    6.2 - Gelegenheitskonsum?
    Jetzt bleibt die Frage nach dem weiteren Konsummuster. Seid ihr medizinisch auf Kratom angewiesen, bleibt für euch nur wieder die Wahl zwischen 3 Dingen. Den Zustand konsumfrei aushalten, sich wieder auf Medikamente und all ihre Nebenwirkungen einlassen, oder versuchen als Gelegenheitskonsument durchzukommen und nicht wieder in die Abhängigkeit zu rutschen. Es gibt große Meinungsunterschiede zu dem was man noch als "problemlosen" Gelegenheitskonsum bezeichnen kann. Für mich persönlich ist das maximum 1x die Woche als ok zu betrachten, sofern man dies eisern durchsetzt. Andere empfehlen höchstens 2 mal im Monat.


    Spart euch das Kratom für einen Tag die Woche auf, an dem ihr die Entspannung wirklich nötig habt, an dem das RLS, oder gegen was auch immer ihr Kratom verwendet, besonders schlimm ist. Denkt daran das Kratom für euch nun ein Medikament ist, also setzt es auch entsprechend vorsichtig und sparsam ein. Gelegenheitskonsum ist möglich, aber für ehemalige Dauerkonsumenten egal welcher Substanz immer sehr schwer. Bei Kratom habe ich es mit 2 Regeln durchgehalten:
    1. Nimm es nie mehr als 2x pro Woche!
    2. Nimm es nie an 2 Tagen hintereinander!


    Das ich wieder in den Dauerkonsum gerutscht bin, lag daran das es vor einem besonders belastendem Termin 3 Tage lang genommen hatte. Man denkt: Ok das ist eine Ausnahme, danach gibts erstmal eine Weile nix mehr.
    Aber jede Ausnahme führt zur nächsten und man ist schneller wieder abhängig als man Dauerkonsument sagen kann.


    7. - Darstellung
    Ich will nicht das dieser Leitfaden zur Diskussionsgrundlage über Stärke und Schwäche von Kratom Entzügen im Vergleich zu anderen Stoffen wird, oder zu Auseinandersetzungen darüber führt, ob Kratom als gefährlich betrachtet werden sollte oder nicht. Ich möchte der Vollständigkeit halber dennoch kurz meinen privaten Standpunkt vertreten, Diskussionen dazu gehören bitte in einen entsprechenden Thread.


    Ja, Kratom kann abhängig machen. Ja, Kratom-dauergebrauch in hohen Mengen kann einen starken Entzug zur Folge haben. Aber was kann das nicht?


    So ziemlich jede Substanz und jedes Verhalten führt bei unangemessen hohem Dauergebrauch zu einer Abhängigkeit oder einer Sucht, und damit letztlich auch zu einem Entzug, sofern die Substanz oder Tätigkeit nicht mehr ständig zugeführt wird. Da ist es völlig gleich ob ich Zigaretten rauche, Rubbellose kaufe, Zuckersüchtig bin oder Schlaftabletten nehme. Wie schwer ein Entzug ist, hängt primär nicht von der Substanz ab, sondern vom Individuum mit seiner jeweiligen genetischen oder sozialen Prädisposition.


    2 Menschen, der eine leidet an einer Angststörung, der andere hat sich die Hüfte gebrochen und hat ständig starke Schmerzen. Gib beiden regelmäßig Benzodiazepine. Der Ängstliche wird sehr abhängig, da Benzos perfekt zu im passen, sie unterdrücken viele seiner Sorgen und Ängste und lassen sich problemlos in den Alltag einbauen. Der Schmerzpatient hat wenig bis gar keine Linderung und setzt die als "hochgradig suchterzeugend" eingestuften Pillen schnell selbst ab. Tausche ich die Benzos gegen Diamorphin, invertiert sich das Bild.


    Es liegt an unserem Charakter bei welchen Substanzen oder Verhaltensweisen wir schnell die Kontrolle verlieren, weil sie genau das ersetzen was uns fehlt, oder unterdrücken was uns quält. Deswegen wird nicht jeder Gelegenheitstrinker alkoholabhängig, nicht jeder Spieler spielsüchtig, nicht jeder Base-Jumper Adrenalinjunkie und nicht jeder Schmerzpatient heroinabhängig. Was uns die Medien als harte Drogen verkaufen möchten, sind aus Sensationsgeilheit entstandene Bilder die jeder Wirklichkeit fern bleiben. Der Mensch sieht, hört und redet oft viel lieber über Probleme als über Gutes. Von den 100% aller Cannabiskonsumenten in Deutschland hat nur ein kleiner Prozentsatz Probleme damit entwickelt, aber es ist eben jener Anteil der von den Medien aufgegriffen wird um uns die öffentlichkeitswirksame Signatur einer "harten Droge" einzutrichtern.


    Diesem Prozentsatz ist ein verantwortungsvoller Konsum nicht möglich, eben weil sie jene Defizite im Leben haben die ihren Körper für solche Abhängigkeitspotenziale disponieren, seien es Schmerzen, Einsamkeit, Ängste oder das fehlen von sozialer Akzeptanz, Geborgenheit oder Erfolg. Auch Traumata und Krankheiten stürzen Menschen in die Sucht, die normalerweise eine hohe Wiederstandkraft dagegen gehabt hätten. Es ist unverantwortlich, die zugrundeliegenden Auslöser für Sucht und Abhängigkeit nur in der Substanz selbst zu suchen, gleichzeitig aber Gewinn mit dem Konsum von Zucker, Zigaretten, Alkohol etc. einzusacken. Ich für meinen Teil setze alle Abhängigen, alle Süchte und alle Drogen gleich, bin gegen jedes Verbot und jede repressive Drogenpolitik, denn durch diese sind viele, vor allem soziale Probleme, erst entstanden.


    Der Staat zieht gegen seine Bürger in den Krieg und verbietet alles was ihm oder den Pharmaunternehmen ein Dorn im Auge ist. Weswegen sonst werden Research-Chemicals der Reihe nach verboten, obwohl ihr möglicherweise gigantisches Potenzial für die Medizin oder die chemische Industrie noch gar nicht erfasst werden konnte, und an Alkohol und Tabak dürfen weiterhin hunderttausende Menschen krepieren, hauptsache sie zahlen vorher genügend Steuern? Prohibition hat noch niemals funktioniert. Mit Verboten entzieht sich der Entscheidungsträger der Verantwortung für angemessene Aufklärung und vor allem grundsätzlicher Bildung zu sorgen. Es ist immer einfacher und kostengünstiger, ein Verbot zu verhängen um die Probleme einiger weniger aus dem Blickwinkel zu schieben. Dann sind die Abhängigen eben nur noch Kriminelle, die man strafrechtlich verfolgen kann, und nicht mehr Kranke, denen man helfen muss.


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    Mehr zu dem Thema im Thread:
    >>Wird Kratom verboten oder bleibt es legal<<



    Soweit erstmal
    Peace!



    Euer Peelz

  • Sehr geiler Leitfaden, nur 2 Anmerkungen:


    1.) Gibt es eine Quelle, die deine These unterstützt, wonach Zucker den Entzug (laut Text ja um das 10-fache) verschlimmern würde? Ich habe es eher als wohltuend empfunden, mal wieder zu naschen.


    2.) Ich finde, es fehlt Pregabalin (wirkstoff von lyrica) in der auflistung, was wirklich hilft. Für viele ist lyrica ein wundermittel beim opioidentzug! Aber aufpassen weil es auch abhängig machen kann (daher wohl nicht unumstritten).


    Ich empfehle allen, die über einen Kratomentzug nachdenken, sich wirklich ausführlich damit zu beschäftigen! Erstens: alle möglichen Mittelchen kaufen und zweitens: Lesen diverser Entzugsberichte. Den hier fande ich zum Beispiel ganz hilfreich (er hat kiloweise konsumiert und erst nach 3 Monaten keine körperlichen Symptome mehr gehabt):

    Ich habe dadurch viele Jahre meines Lebens vergeudet, weil es sich auf Opioiden sehr selbstgenügsam-phlegmatisch leben lässt. Nicht nur, dass ich mit etwa 1500 Gramm jeden Monat viel Geld für den Kauf von Kratom ausgab. Diese irrwitzige Menge sorgte beim Entzug auch dafür, dass ich erst etwa 90 Tage später beschwerdefrei leben konnte.

    Je mehr man sich mit der Materie auseinandersetzt, desto höher die Erfolgschancen und desto geringer die Negativsymptomatik.
    Edit: Ok habs gesehen der Autor ist nicht mehr aktiv. Eine Quelle zur Zuckeraussage wäre dennoch interessant.

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